Neulich beim Rollenspiel

Britannien im Jahre des Herrn 508, Reich Logres Grafschaft Silchester

Dies sind die Aufzeichnung des Sir Tanicus Metunus, Christ und fahrender Ritter

Möge der Tag mir gnädig sein. Ich habe dem Tod in seine hohlen Augen geblickt. Doch der Herr in seiner Gnade hat entschieden mich noch am Leben zu erhalten. Tatsächlich mag uns das Schicksal schneller ereilen, als mir bis jetzt gewahr. Kyrie eleison!

So will ich von nun an zum Kiel greifen und festhalten, was mir auf meinen Wegen widerfährt. All zu vergänglich ist das Leben, das nicht dem Herren sich verschreibt und sich dieses vor Augen führt. Christus schütze die Gerechten!

Die frühen Tage dieses Jahres segneten mich mit zwei Gefährten, die man sich stärker und munterer nicht wünschen kann. Sir Decmus und Sir Quartus sind ehrbare Christen, fahrende Ritter wie ich selbst und zudem sind wir einen Alters. Obwohl sie zweifelsohne zu den Tugendhaften und Edlen gehören, sind sie einem Scherze nicht abgeneigt und ich bezweifle, dass uns die Zeit je lang werden wird.

Wie um unsere Bruderschaft im Kampfe zu besiegeln, sandte unser Weg uns in ein Scharmützel, das mein Herz frohlocken lies. Fünf räudige Sachsen, deren trampelnde Spuren wir verfolgten, suchten einen Ritter nieder zu machen. Ein Angriff in Überzahl, der diesen Hunden ähnlich sieht. Doch ihr Glück wendete sich, als wir zwischen sie fuhren, wie eine Klinge des Zorns. Zwei streckten wir nieder, einer fiel durch meinen Streich. Noch räut mich die Tatsache, dass der Rest des feigen Haufens fliehen konnte.

Der fremde Ritter indes gab sich als Bote König Nateleods bekannt und berichtete uns von seinem Auftrag die Herrin Ellen auf Sarum eine Warnung zu überbringen. Wir erfuhren an eben jenem Tage, dass sich die Sachsen, unter dem ruchlosen Cerdic, unweit von Silchester ein Lager aufschlagen und die Länder unserer Heimat mit gottloser Barbarei bedrohen.

Da der Sir angeschlagen war und wir auf der Suche nach edler, gottgefälliger Tat, schlossen wir uns ihm kurzer Hand an und ritten so gen Sarum.

Die Gräfin ist eine Stolze Frau und empfing uns knapp doch mit gebotener Würde. Jene Nachrichten, die mit uns reisten, versetzten den Hof hingegen in einige Unruhe. Nicht wenige der ansässigen Kämpen hofften inständig auf ein helfendes Eingreifen des Königs Nateleods und seiner Truppen.

Wir erboten unsere Dienste der Herrin Ellen, und da Silchester meine Heimat ist und ich des Landes kundig bin, volontierten wir in der Aufgabe, die Stärke von Cerdics Heer zu erkunden. Neben unseren Knappen und einiger Verpflegung, war Ellens Heeresmeister so gnädig uns einen Jäger des Hofes zur Verfügung zu stellen.

Der Ritt gen Winchester verlief ruhig. Nicht mehr bleibt mir zu betonen, als ein Lob auf die friedfertige Schönheit unseres Landes. Wie wohl sich der Herrgott doch in seiner Schöpfung offenbart. Von welchem Liebreiz die Landschaft, die Genüsse und selbst die Frauen des einfachen Volkes sich uns darbieten.

Nachdem wir die Wasser umgangen und uns ein gutes Stück vom Norden her Winchester näherten, verließen wir die alte Heeresstraße. Etwa einen halben Tagesritt vor jenem Standort, schlugen wir uns in die Wildnis. Der Allmächtige weiß, warum wir den Jäger aus den Diensten der Gräfin bei uns hatten. Waren es doch meine Ohren, die alsbald das Schlagen starker Äxte vernahmen. Den vermeintlich bewanderten Waldläufer schickten wir voraus, uns zu berichten, ob unsere Vermutung zutreffend sein, dass es sich um die gottlosen Sachsen handele, die der Errichtung ihres Lagers zugetan waren.

Warum vertraute ich nur auf die Fähigkeiten dieses Gemeinen? Denn nichts war zu hören, noch von ihm zu sehen, nachdem die Sonne schon ein gutes Stück weiter gewandert war. So blieb uns nichts anderes, als selbst einen Blick zu werfen und die Lage mit unserer Ahnung abzustimmen. Tatsächlich hatte sich der tumbe Wildtiertreiber von den Sachsen fangen und binden lassen, wie ein Lamm von einem Rudel dreckiger Wölfe.

Neben den Waldarbeitern erblickten wir noch acht großgewachsene gerüstete Wachen der Sachsen. Alle von dem starken Wuchs, der diesen Heiden zu eigen ist. Doch verriet die grobe Rohheit ihrer Bewegungen, dass sie im Kampfe mit einem römischen Ritter nicht gleichwertig wären.

Es beschämt mich einzugestehen, dass ich mit meinem Gefährten Decmus die Bedenken teilte, ob ein offener und ritterlicher Angriff ratsam sei. Und es ist dem wütenden Eifer des tapferen Quartus anzurechnen, dass er uns überzeugte, dass wir diesen Heiden demonstrieren würden, wessen Land sie mit ihrer Anwesenheit beschmutzten.

Der Herrgott hat mir an jenem Tag eine schöne Lektion erteilt. Ohne Zweifel wären die übel riechenden Hunde unserem gerechten Zorn kein Widerstand gewesen. Auch wenn wir im Gefecht in einige Bedrängnis gerieten und ich schließlich Quartus und Decmus am Boden erblickte, so blieben doch nur noch zwei unserer unwürdigen Feinde, die sich meinem Schwerte ausgeliefert sahen. Ein Dritter mag sich noch bewegt haben, doch war sein Leben bereits verwirkt. Doch dann muss der Leibhaftige einem meiner Widersacher die Hand gelenkt haben. Denn mich traf ein Schlag, so unverhofft, heftig und gewaltig, dass er selbst einen ausgewachsenen Ochsen niedergestreckt hätte.

Als ich schließlich erwachte, mit trübem Schädel und schmerzenden Gliedern, waren wir von den Sachsen wie gewöhnliches Vieh an Bäume gebunden. Es waren, die Mutter Christi sei meine Zeugin, unsere eigenen Knappen, die uns losschnitten nachdem die Barbaren in einen, ohne Zweifel rauschhaften, Schlaf gefallen waren.

Kann einem der Herr einprägsamer Demut lehren, als durch die Hand des eigenen Knappen errettet werden zu müssen? Nie wieder werde ich zögern, wenn es gilt einen gerechten Kampf anzutreten, der nicht eine Prüfung meiner strategischen Schläue, sondern nur meiner starken Hand zu sein verspricht.

Herr ich habe Deinen Ruf erhört, der Kampf stand auf unserer Seite und im letzten Schlage segnetest Du mich mit einer Niederlage, ohne mich zu Dir zu befehlen!

Wohl schwer verwundet wie ich war, schafften es meine Gefährten auch noch, mich zu einem unweiten Weiher zu verbringen. Dort war, der Allmächtige tut seine Wunder wie es ihm gefällt, tatsächlich ein heiltätiger Mann des Glaubens zu finden. Er brachte meinen Körper wieder ins Leben viel wichtiger aber ist, dass er der endgültige Anstoß meines Wachsens in Gott war.

Die Pfade dernach sind mir Schmerz verzerrt und mich schämt es fasst, ob der geringen Leistung, von jenen sächsischen Wachen zu berichten, die wir noch überrumpelten um schließlich einen Blick auf das Lager Cerdics zu werfen. Höchstens tausend gesandte Pioniere mögen es sein, doch das Lager, das sie errichten, mag Raum für deren sechs- oder siebenfache Zahl bieten.

Derzeit genese ich am Hofe Sarums und genieße die Gesellschaft meiner Waffenbrüder, des fahrenden Volkes und der Aussicht auf einige Gefechte, in denen ich meine Schmach wettmachen kann. Ich werde nicht mehr an Deiner schützenden Hand Zweifel, oh Herr. Voll des Vertrauens in Dich wird mein unverzagtes Einschreiten fortan sein, so sich mir die Möglichkeit eröffnet, die Heiden aus Deinem Reiche zu vertreiben.


Sprüche und Übersicht unserer Rollenspiel-Runden
Homepage Stefan Bohnsack, 2008